Nr. 10: In den Tiefen der Ganglien (9.8.02)
Über 600 Kurier-Kolumnen und jahrelange Suche nach "Quiz
für Querdenker"-Beispielen hinterlassen Spuren im Hirn. (Das
merkt man, sagen manche mir nicht allzu gut Gesonnene.) Dass dieses
Hirn jüngst eine Kuriosität parat hatte, die selbst dem grandiosen
Tim Krabbé, Großmeister aller Großmeister
der Schachkuriositäten, unbekannt war, ist - für alle jene,
die viel Muße haben - in dessen Tagebuchgeschichte Nr. 184
zu nachlesen.
www.xs4all.nl/~timkr/chess2/diary.htm
Nr. 9: J'adoube (26.7.02)
Meister Norbert Sommerbauer, den ich ja im Verdacht habe, weit
weniger humorlos zu sein, als er vorgibt, schickt mir folgende Anekdote:
In Werfen (1985 oder 86) war dichtes Gedränge im Spielsaal, obwohl
die Partien schon im Gange waren. Ein sichtlich nervöser Spieler, der
gerade vom WC zur Partie zurückkehren wollte, ohne allzuviel Zeit zu
verlieren, rempelte mich versehentlich an. Er entschuldigte sich pflichtgemäß,
aber mit den Worten: "J'adoube!" (!)
* * *
Diese Geschichte drängt mein eigenes Gewissen stark, etwas "zurechtzurücken",
ein längst fälliges J'adoube zu sagen. Endlich ist die Zeit
gekommen.
Es
war an einem lauen Maiabend des Jahres 1981 bei einem ebensolchen
Turnier, als mein Gegner einen Lg7 von mir abtauschte, aufstand und
aus dem Saal ging. Ohne viel nachzudenken schlug ich mit Kg8xg7
den Läufer mit dem König zurück, drückte die Uhr,
studierte die Stellung (Diagramm) - und kam drauf, dass ich soeben
die Dame eingestellt hatte! Die Wendung 1.Th7+! Kxh7 2.Sg5+ war
offensichtlich. Richtig wäre natürlich Dxg7 gewesen!
Der König gehört nach g8, die Dame nach g7! Was tun?
Die Versuchung war zu groß: Mein Gegner nicht da, die Spieler
neben mir tief in ihre eigenen Partien versunken, die linke untere Bretthälfte
mühelos erreichbar - und noch dazu war ich damals passionierter
Hobbymagier! Ich beugte mich also leicht übers Brett, schob
die linke Hand langsam Richtung König, die rechte Richtung Dame,
und mit einer gleichmäßigen, synchronen, leisen Bewegung,
nahezu schneller als das menschliche Auge, verschob ich die Figuren,
von beiden Handrücken palmiert (Magier-Fachausdruck!): den König
nach g8, die Dame nach g7.
Und alles war im Lot. Niemand bemerkte etwas, der Gegner kam irgendwann
zum Brett zurück, und ich gewann letztlich die Partie. Später
bereute ich diese Jugendsünde, und in meinem weiteren Schachleben
ließ ich oft der Sportlichkeit den Vortritt, durchaus zu meinen
Ungunsten. Jedoch dieses eine Unrecht wiedergutzumachen, dazu ergab
sich keine Gelegenheit, denn mein damaliger Gegner ist längst gestorben.
Darum:
Verehrter Schachfreund Friedrich Macho, wenn Sie diese Zeilen aus
dem Schachhimmel lesen, unterbrechen Sie Ihre Blitzpartie mit Capablanca
und nehmen Sie, bitte, meine Entschuldigung in aller (mehr
oder minder) Öffentlichkeit an. Ein grundehrliches:
"J'ADOUBE!"
Nr. 8: Chrilly, das Känguruh (15.7.02)
Von Dr. Chrilly Donninger, Österreichs Programmier-Genie,
"Vater" des renommierten Programms Nimzo, wird
soeben ein neuer großer Erfolg gemeldet: Dritter bei der Computer-WM
mit seinem neuen Programm Brutus. Ich erinnere mich mit Vergnügen,
unter welchen prekären Umständen Chrilly Donninger und ich
Bekanntschaft schlossen.
Es war im Dezember 1993, als im Kurier ein Artikel über
die Computer-WM erschien. Neben allerlei Firlefanz über Sieger
Hiarcs sowie die Nächstplazierten The King und Mephisto
Genius war zu lesen: "Auf den Plätzen landeten Programme
aus Australien, Ungarn, den USA und Deutschland."
Mich traf fast der Schlag, als ich das las. Zwar war ich damals schon
gute vier Jahre lang Schachkolumnist des Kurier, doch mit diesem Artikel
hatte ich absolut nichts zu tun. (Zeitungs-Insider kennen ohnehin die
fatalistische Weisheit, dass sogar in Artikeln, unter denen der eigene
Name steht, bisweilen wie durch Zauberhand Dinge drinnen stehen, die
man nie zuvor so geschrieben hat.) Tja, und mir war natürlich nicht
entgangen, dass an Vierter Stelle kein Australier, sondern eben unser
Chrilly Donninger mit Nimzo gelandet war. Dass ein Österreicher
mitten in die Schachprogrammierer-Elite vorstieß, war damals eine
Riesensensation. Chrilly hatte erst wenige Monate lang an Nimzo
gearbeitet.
Ich versuchte zu retten, was zu retten war, doch ein Artikel
von mir, der alles richtigstellte, wurde nicht abgedruckt. Dafür
ein Leserbrief von Chrilly, der unter dem Titel "Ein typisch
österreichisches Schicksal" in bester Egon-Friedell- und
Karl-Kraus-Manier mit sarkastischer Zunge u.a. schrieb: "Man ist
es ja gewohnt, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt. Dennoch
ist es eine neue, amüsante Facette, dass der Erfolg in der Heimat
nicht nur nicht beachtet wird, sondern dass man auch noch für einen
Australier gehalten wird!"
Nun, wenige Wochen später trafen wir einander erstmals
zu einem Interview, und - mir fiel ein Stein vom Herzen! - wir verstanden
uns ausgezeichnet. Denn zum Glück billigte er mir elementare Geographie-Kenntnisse
zu, und wir amüsierten uns beide königlich über die Geschichte.

Ich durfte später, im Rahmen eines Großmeisterturniers im
Jüdischen Museum in Wien, seinen Nimzo präsentieren
(Foto: links Nimzo, Mitte Chrilly, rechts ich) und der überaus
"sophisticated" Chrilly erzählte mir so manche Schnurre
über seine Erlebnisse beim Programmieren. Doch darüber ein
andermal...
Nr. 7: Feierliche Urkunde (10.6.02)
Wo
bewahrt man seine zahlreichen oder weniger zahlreichen Schach-Urkunden
auf?
a) Eingerahmt am Nachtkastl;
b) Fein säuberlich in einer Urkundenmappe;
c) Mit Reißnagel am Häusl.
Das hängt vielleicht vom Wert ab: Je offizieller das Turnier,
je besser die Platzierung, je eleganter die Urkunde, desto feierlicher
der Urkundenaufbewahrungsort.
Eben fällt mir wieder einmal nebenstehendes Foto von der Offenen
Österreichischen Herren-Staatsmeisterschaft 1998 (nicht unoffiziell)
in die Hände. IM Harald Casagrande präsentiert seinen
8. Platz unter über 50 Teilnehmern - punktegleich mit den IMs Danner,
Weiss und Hölzl - womit er sich für die geschlossene Staatsmeisterschaft
qualifiziert hat (nicht übel).
Wo mag sich diese Urkunde heute befinden?
Ein genauerer Blick auf dieses historische Dokument
lässt es uns ahnen:

Nr. 6: Der versehentliche Glanzzug (20.5.02)
Die erschütternde Wahrheit über den spektakulärsten
Zug meiner Karriere
Es wird Zeit, ein eigenes Hoppala zu veröffentlichen. Der Leser,
der es bis hierher geschafft hat, wird mit einem bisher streng gehüteten
Geheimnis belohnt.
Im Leben passiert es bisweilen, dass man für eine große
Leistung keine Anerkennung erhält. Als Ausgleich dafür wird
man manchmal gefeiert für etwas, das man eben nicht geleistet
hat.
Vorletzte Runde beim gutbesetzten Mödlinger Stadtturnier 1996.
Eine denkbar schwierige Aufgabe erwartete mich: Mit Schwarz gegen FM
(heute IM) Ernst Weinzettl, einen der solidesten Meister Österreichs,
Elo-Differenz weit über 200 Punkte.
Die
Vorgeschichte: Durch ungewöhnlichen Partieverlauf waren wir beide
nicht nur in eine völlig unübersichtliche Stellung, sondern
auch in schreckliche Zeitnot geraten.
Diagramm links.
Noch lange 8 Züge bis zur Zeitkontrolle. Weinzettl (Weiß)
hat noch ca. 4 Minuten übrig, Stichlberger (Schwarz) noch
ca. 2 Minuten. Es ging im Blitztempo weiter mit:
1.Sf3! Weiß gibt die Belagerung von e6 auf und geht nicht
nur vordergründig auf h4 los, sondern weit unangenehmer auf e5.
1...b5! 2.Da6 h3 Reflexartiges Umherschlagen. 3.f5! Probiert
jeden Trick (nicht Se5? Dd5!). 3...hxg2+ 4.Kg1 Sxf5! 5.Se5
Womit wir beim Diagramm unten angekommen sind. Eine in diversen
Schachzeitungen und Bulletins viel abgedruckte Stellung. Viele gratulierten
mir zum folgenden Wunder.
"Los,
los, Gegenangriff, irgendwas, wenigstens hängt kein Turm mit Schach,
und er kann eh nur einen nehmen." An diesen Gedankenfetzen
erinnere ich mich noch. Also spielte ich in rasendem Tempo aus dem Handgelenk:
5...Sd4!!
Elos, Titel, Turniersiege verwehen, so ein Zug bleibt! Alle schwarzen
Schwerfiguren stehen in der Gabel des Springers e5, dennoch gewinnt
Schwarz! Es droht Df1+ Txf1 Se2#.
6.Sxg6 Noch das Beste. (6.Sxc4?? Sf3 matt oder 6.Lxd4?? Dxd4+
7.Te3 Dxe3 matt!) 6...Sf3+ 7.Kxg2 Sxe1+ 8.Lxe1 Dg4+ 9.Lg3 Ja,
Klappe noch oben!! Die Nerven allerdings so herunten, daß es zu einem
solchen Grad der Beruhigung, die ein Matt in 3 Zügen erkennen lassen
hätte, nicht gereicht hat. 9...Dxg6? (Td2+! nebst Matt) 10.Dc8+
Ke7 und Weiß gab auf.
Und wo ist das versprochene Geheimnis?
Ja, jetzt - jetzt folgt die ganze Wahrheit:
Als ich in der Nacht die Partie bei einer Flasche Sekt nachspielte
und bei der spektakulären Diagrammstellung anlangte, war ich einen
Moment lang starr vor Schreck: Fassungslos begriff ich, daß nicht nur
beide Türme, sondern auch die Dame hängt! Hätte ich das in der Partie
gemerkt, hätte ich reflexartig nach einem Damenzug (und sicher nichts
anderem!) gesucht, um die Dame wegzuziehen - und die Partie verloren,
da jeder Damenzug hochkant verliert!
Ja, so geht's. Manchmal erntet man den ganzen Ruhm nur deshalb, weil
man zum richtigen Zeitpunkt das Richtige eben nicht sieht.
(Erzählen Sie's nicht allzu exzessiv weiter.)
Hier gibt's die gesamte Partie kommentiert im PGN-Format
zum Herunterladen: Weinzettl
-Stichl.pgn
PS: Dass der Zug Sd4 zweizügiges Matt droht, ist mir auch erst
heute aufgefallen.
Nr. 5: Typischer Häusl-Schmäh (28.4.2002) 
Woran denkt ein Normalbürger - ganz im Gegensatz zum Schachspieler!
- bei "0-0"? Richtig: an das, was der Wiener "Häusl"
nennt. Damit erlaube ich mir, den Ausdruck "Häusl-Schmäh"
in die Schach-Praxis einzuführen. Zwar konnte ich den geläufigen
Ausdruck in keinem Wiener-Dialekt-Lexikon verifizieren, jedoch wäre
er wohl ungefähr so zu definieren: "Scherz, der aufgrund seiner
Halblustigkeit, Primitivität und Betagtheit an den nicht gerade
frisch gereinigten Sanitärbereich erinnert".
Ideal für jenen fiesen, alten, billigen Trick, dessen
Pointe "0-0" (genauer gesagt "0-0-0") ist! (Wobei
ich weiterführende deplorable Witze über große und kleine
Seite unterlasse.)
Österreichische
Staatsmeisterschaft 1995.
Am Werk sind die von mir sehr geschätzten Internationalen Meister
Lendwai und Sommerbauer. Nach Damentausch auf e4 hat Norbert Sommerbauer
(Schwarz) soeben mit Sd7-f6 den weißen Turm angegriffen. (Diese
Vorgeschichte erschwert es, den Trick zu wittern!)
Reinhard Lendwai (Weiß) will Druck machen und setzt sich
mit 1.Te4-a4?? (statt Te1!) auf den Ba6 drauf.
Und schon geht der typische Häusl-Schmäh: 1...0-0-0!!
mit der Doppeldrohung Td1+ und Kxb7. Weiß gibt auf!
Ein exquisiter Fall, denn in fast allen ähnlichen Fällen
erfolgt die Rochade (viel plumper) mit Schach. Am bekanntesten und in
fast allen Lehrbücher enthalten ist die Partie Feuer - O'Kelly,
Lüttich 1934. 
Auch viele Studien haben dieses Thema zum Inhalt. Die eleganteste
Studie dazu, mit minimalem Material
(Selesniev, 1921):
1.d7! (Nach 1.0-0-0? Ta2! wäre Remis unvermeidlich.) 1...Kc7
2.d8D!! Kxd8
3.0-0-0+! und gewinnt.
Ich habe insgesamt 23 Fälle gesammelt. Hier im pgn-Format zum
Downloaden:
Stichls
Häusl-Schmäh-Sammlung.
Nr. 4: Was ein Leinenkäufer nie opfert (16.4.2002)
Da gibt es eine Dame, die spielt nur im Nerz Schach. Nämlich mit
dem Musikbanausen, der Schartner trinkt, während er Bach hört.
Und warum begeht ein Friese lieber Selbstmord, als sich mattsetzen zu
lassen? Darüber, und warum ein Steckschach einen Mord verhindert
hat, lesen Sie auf meiner neuen Seite: Schach-Schüttelreime (Button:
Allerlei). Viel Vergnügen!
Nr. 3: Der schrecklichste Fehler (9.4.2002)
"Der vorletzte Fehler gewinnt!" lautet ein altes Bonmot.
Klar, weil der letzte verliert. Aber was ist der allerschrecklichste?
Dieser: In Gewinnstellung aufgeben! Entsetzlich! Allein der Gedanke,
dass einem das selbst einmal passieren könnte, jagt einem kalte
Schauer über den Rücken.
Tim Krabbé hat unter dem Titel the ultimate blunder dutzende
solcher tragikomischen Beispiele gesammelt; es macht großen Spaß,
sie durchzuspielen: www.xs4all.nl/~timkr/chess2/resigntxt.htm
Mit großer Freude präsentiere ich nun eine neue dieser Raritäten.
Ein druckfrisches österreichisches Exemplar:
Szene
aus der Wiener A-Liga 2001/02, ein Duell zweier solider 2000-er, Weinrichter
gegen Kostka (Diagramm links).
Norbert Weinrichter (Weiß) verfiel in dieser scharfen Stellung
auf 1.Txb7?!. Es folgte Dxb7 2.Dh6, und Alexander Kostka
(Schwarz) gab auf.
Diagramm rechts. Schwarz gibt auf! Hätten Sie auch aufgegeben?
"Gegen f5-f6 samt Dg7 matt ist nichts zu machen", mag Schwarz gedacht
haben. "Ziehe ich nun selbst 2...f7-f6, folgt vernichtend 3.Lxc4+. Der
Zwischentausch gxf5 exf5 ändert nichts. Und das Racheschach 2...Db2+
ist wegen 3.Kh3 zwecklos."
Sieg für Weiß, dabei ist die Stellung für Schwarz glatt
gewonnen, wie beide gleich nach der Partie herausfanden: 2...Db2+!
Also doch! 3.Kh3 und nun 3...Da1!! (droht Dh1#) 4.Kg2
Tb8! und Schwarz ist um ein Tempo schneller.
Vom Standpunkt der höheren Gerechtigkeit möge jeder für
sich entscheiden, wer den Sieg verdient hätte: In der Ausgangstellung
(links) hätte Weiß mit gleich 1.Dh6!! (statt Txb7)
gewonnen. Weiß fürchtete den Trick 1...Lc8! (verhindert
f5-f6), darauf gewinnt aber 2.Lxc4 (droht Dxg6) oder sogar 2.Tb7!
recht kommod.
Nr. 2: Das Vorbild (9.4.2002)
"Dieses Tagebuch der Kuriositäten erinnert mich frappant
an das Open Chess Diary auf Tim Krabbés Homepage",
sagte mir unlängst ein Kenner. Keine Frage, das ist ja auch das
große Vorbild! Unterhaltsamer, subtiler und liebevoller als der
holländische Schriftsteller kann man über Schach nicht schreiben.
Jeder Schachliebhaber sollte unbedingt die Homepage besuchen (www.xs4all.nl/~timkr/chess/chess.html).
Wenn mein Tagebuch mit österreichischen Geschichten ebenso kurzweilig
wird, würde mich dies freuen. Bisweilen werde ich auf Tim Krabbé
verweisen und die eine oder andere seiner Geschichten mit einer passenden
österreichischen Episode ergänzen. So wie heute (Nr. 3).
Nr. 1: En-passant-Verwirrung (20.3.2002)
Das, was den Schach-Anfänger am meisten verwirrt, ist das En-passant-Schlagen.
Darum (und aus einem zweiten Grund, siehe PS) soll das Tagebuch auch
mit einer solchen Geschichte beginnen. Im Zweifel gilt: Nehmen Sie dem
Gegner einen beliebigen Bauern weg und wischen Sie seine Proteste mit
der entrüsteten Frage vom Tisch, ob er wohl die En-Passant-Regel
nicht kenne! Denn: Auch Meisterspieler können mit dem En-passant-Schlagen
ihre liebe Not haben!
Diagramm
links. Wiener Vereinsmeisterschaft, C-Liga, 1991/92. Mit Weiß
spielt Ursula Fraunschiel, damals Meisterkandidatin und Wiener
Damenstadtmeisterin. (Mittlerweile eroberte sie einmal den Staatsmeistertitel.)
Mit Schwarz spielt ein langjähriger, in tausend Schlachten
erprobter Ligaspieler, der ungenannt bleiben wollte. Üblicherweise
wird so jemand deshalb mit N.N. bezeichnet, wir wollen ihn, passenderweise
leicht modifiziert, H.N. nennen. Der Schwarze nützt die
Gelegenheit zum Blockadezug 1...f7-f5!, da Weiß aufgrund
der ungedeckten Df4 nun offensichtlich nicht en passant nehmen darf.
Während
H.N. frohgemut durchs Lokal schlendert, findet unsere Meisterin durch
langes Nachdenken heraus, dass doch ein En-passant-Schlagen möglich
ist, und schlägt tatsächlich en passant: 2.exf6 e.p.!
Der Schwarzspieler kehrt nach seinem Spaziergang zum Brett zurück
und findet zu seinem Entsetzen folgende Stellung vor (Diagramm rechts).
Wieso steht er plötzlich im Schach??? Maßlos verärgert,
so trivial einen Bauern eingestellt zu haben, verliert er die Lust am
Weiterspielen und gibt grantig auf.
Den Mannschaftskollegen beider Spieler wird nach dem Wettkampf vorgeführt,
auf welch kuriose Weise eine Partie enden kann. Alle lachen herzlich,
jedoch: Keinem einzigen (!) fällt auf, dass Weiß statt des
Bauern f5 den Bauern e6 entfernt hat. (Aufgrund der Berührt-geführt-Regel
hätte Weiß den Zug korrekt ausführen müssen, Schwarz
hätte dann simpel mit Dc7xf4 gewonnen.)
Ursi selbst bemerkt erst zu Hause beim Nachspielen ihren Irrtum und
zweifelt stundenlang an der Richtigkeit der Mitschrift. ("Nicht
sein kann, was nicht sein darf...")
Der einzige Sieg für den betrogenen H.N.: Ihm kam am schnellsten
die Erleuchtung, nämlich beim Nachhausefahren im Taxi. Ein paar
Minuten zu spät...!
PS:
Dass Ursula Fraunschiel sich bis heute in keiner ihrer Partien mehr
getraut hat, en passant zu schlagen, weiß ich aus sicherer Quelle.
Und was Ursi, schon damals meine Freundin, unserer Tochter Sophie Caissa
so bald wie möglich beibringen muss, ist das "hinterlistige"
En-passant-Schlagen.
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